Diesen Satz hat Rien van der Schaft vor vielen Jahren als Zitat für mein Buch “Die Losgelassnheit des Pferdes” formuliert.

Das gilt noch heute und sollte für uns immer unser Ziel sein. Lektionen wurde nicht zum Selbstzweck entwickelt – auch, wenn sie heute (leider) DAS Kriterium für gutes Reiten sollen.

Lektionen stärken Muskeln, schaffen Elastizität und ermöglichen es Deinem Pferd gefühlvoll und fein auf feine Hilfen reagieren zu können. Sie sind zum Gymnasitzieren gedacht und nicht zum Profilieren des Reiters. Genau dazu sind sie allerdings bei vielen verkommen. Es zählt nicht das losgelassene und zufriedene Pferd, sondern das spektakulären, das immer auf Druck und zwang basiert!

Piaffieren kann ein Pferd mit Druck und Zwang erlernen – irgendwie – wie auch immer.

Einen schwingenden Rücken und ein entspanntes Pferd, das sich vertrauensvoll an die Hand des Reiters heran dehnt, bei geschlossenem Maul kaut und immer wieder zufrieden abschnaubt – sich loslässt und beispielsweise ein korrektes Zügel aus der Hand kauen lassen geht – schafft man mit Druck und Zwang nicht!

Ich reite gut! Mein Pferd piaffiert – hört man heute viel.

Das Pferd braucht keine Piaffe, es braucht eine gute und gesunderhaltende Rückentätigkeit und Losgelassenheit. Das hält gesund.
Die Piaffe kann das Ergebnis einer gesunderhaltenden Ausbildung sein, wenn das Pferd das von Gebäude und Bewegungsablauf leisten kann. Das erklärte Ziel, um sich zu profilieren sollte sie niemals sein….. Sie steht auch nicht für reitehrliches Können.

Ein Pferd, das sich loslässt, ist durchlässig und innerlich entspannt. Körperliche Losgelassenheit ist nur möglich, wenn sich ein Pferd nicht stresst, nicht verspannt und nicht unter Druck steht.
Allein aus diesem Grund brauchen wir eine Ausbildung, die ohne Druck und Zwang erfolgt.

Druck und Zwang bedeuten Stress. Ein gestresstes Pferd wird sich IMMER verspannen. Verspannt sich ein Pferd, dann können sich Muskeln nicht entwickeln. Muskeln “wachsen” nur, wenn sie unverspannt tätig sind. Daraus folgt, dass wir unsere Wünsche und Forderungen den Möglichkeiten des Pferdes anpassen. Die logische Konsequenz ist, die Ausbildung des Pferdes so aufzubauen, dass es Zeit hat sich zu entwickeln.

Für das Reiten oder das Training insgesamt bedeutet das:
Solange sich das Pferd nicht reell loslassen kann, kann man schwierige oder auch weiterführende Lektionen nicht RICHTIG reiten. Sicherlich wird das Pferd das, was wir verlangen irgendwie versuchen umzusetzen, aber richtig im Sinne vom physiologisch richtig und gesunderhaltend ist es nicht.

Je höher dann die Anforderungen an Lektionen, Sprünge, schwierige Gelände etc. werden, wird das Pferd mehr und mehr kompensieren müssen und sich dadurch immer mehr falsch belasten müssen. Das endet irgendwann in gesundheitlichen Schäden.

Ein Pferd, das ständig am Limit arbeiten muss, wird nicht nur körperlich krank, es leidet auch seelisch. Stressreaktionen sind dann vielfach: Schreckhaftigkeit, Widersetzlichkeit, Unkonzentriertheit, Rittigkeitsprobleme und Schwierigkeiten schon bei Grundlagen. Das lässt sich dann nicht mit noch MEHR Druck lösen…

Pferde zeigen ihren Stress und Überforderung durch ihren Gesichtsausdruck (Horse grimace (Pain) scale), aber auch schon durch Weglaufen vor dem Besitzer auf der Weide, Unwilligkeit beim Putzen, Satteln und Aufzäumen. Das liegt dann nicht am Geschlecht oder an der Abstammung.

Es ist ein deutliches Indiz, dass etwas nicht stimmt.

Wenn man sein Pferd gesund erhalten möchte, dann ist es wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen oder zu überlegen, ob das was man macht der richtige Weg ist.

Das Auge sagt sehr viel und Muskeln lügen nie….. ach, und FANCY TROTT braucht auch kein Pferd….

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