… und der Sitz seine Wirkung verliert

Anne Schmatelka reitet ein braunes Pferd im Trab, im Hintergrund ein Maisfeld

Der korrekte Sitz ist keine Frage der Optik. Er entscheidet darüber, wie wir auf unser Pferd einwirken können.

In meinem letzten Artikel auf meiner Internetseite ging es um den Unterschenkel und die Folgen, die entstehen, wenn er zu weit nach vorne kommt. Doch der Sitz besteht natürlich nicht nur aus der Position des Unterschenkels. Alle Teile unseres Körpers stehen miteinander in Verbindung. Verändert sich eine Position, hat das häufig Auswirkungen auf den gesamten Sitz – und damit auch auf die Einwirkung auf das Pferd.

Ein weiteres Problem, das ich im Reitunterricht immer wieder beobachte, ist eine zu hoch getragene Hand.

Was auf den ersten Blick wie eine Kleinigkeit erscheinen mag, kann weitreichende Folgen haben.

Die Hand kommt hoch – die Schulter wird fest

Wenn die Hand zu hoch getragen wird, geht damit häufig eine zunehmende Festigkeit im Schulterbereich einher. Die Beweglichkeit der Schulter wird eingeschränkt, der Arm kann nicht mehr so frei aus dem Schultergelenk heraus arbeiten, wie es für eine feine und differenzierte Zügelführung notwendig wäre.

Dabei brauchen wir gerade im Bereich der Schulter und der Arme Beweglichkeit. Unsere Hände sollen in der Lage sein, den Bewegungen des Pferdes zu folgen und gleichzeitig präzise Hilfen zu geben.

Eine hohe Hand ist deshalb keineswegs automatisch eine besonders gute oder besonders feine Hand.

Entscheidend ist, dass die Hand in einer Position getragen wird, die eine bewegliche Schulter, einen elastischen Arm und eine korrekte Verbindung zum Pferdemaul ermöglicht.

Wird die Schulter fest, leidet darunter auch die Qualität der Zügelführung.

Warum die halbe Parade plötzlich nicht mehr funktioniert

Eine halbe Parade ist keine isolierte Bewegung der Hand. Sie entsteht aus einem abgestimmten Zusammenspiel von Sitz, Rumpf, Gewichtshilfen und Zügelhilfen. Dabei muss der Reiter in der Lage sein, seine Einwirkung gezielt zu dosieren und anschließend wieder nachzugeben.

Ist die Schulter fest und die Hand in einer ungünstigen Position, wird diese feine Abstimmung erschwert.

Der Reiter verliert an Beweglichkeit und Differenzierungsfähigkeit. Statt einer präzisen, abgestimmten Hilfe entsteht unter Umständen ein dauerhaftes Festhalten am Zügel oder ein ungewollter Zug nach hinten.

Das Pferd kann dadurch die Anlehnung nicht mehr suchen, sondern wird quasi in eine „Verbindung“ gezwungen. Die Verbindung wird starr, die Hand wirkt rückwärts, ein Gefühle halbe Parade, die immer mit den Nachgeben der inneren Hand enden muss ist nicht mehr möglich.

Eine halbe Parade lässt sich nicht dadurch verbessern, dass man stärker mit der Hand einwirkt. Sie setzt voraus, dass der Reiter seinen Körper so einsetzen kann, dass eine differenzierte Einwirkung überhaupt möglich ist.

Und genau hier kommen der Oberkörper und das Becken ins Spiel.

Blickschulung · Online-Webinar12. November 2026, 19:00 Uhr
Zur Blickschulung

Wenn der Oberkörper nach hinten kommt

Eine zu hoch getragene Hand kann mit einer weiteren Veränderung des Sitzes einhergehen: Der Oberkörper kommt zu weit nach hinten.

Dadurch verändert sich die gesamte Haltung des Reiters. Die physiologische Krümmung der Wirbelsäule kann nicht mehr in gleicher Weise erhalten bleiben, und die Beweglichkeit des Rumpfes wird beeinträchtigt.

Das ist für das Reiten von zentraler Bedeutung.

Unsere Wirbelsäule ist nicht dafür da, in einer starren Position gehalten zu werden. Sie muss Bewegungen aufnehmen, ausgleichen und weiterleiten können. Dafür brauchen wir eine Haltung, die Stabilität und Beweglichkeit miteinander verbindet.

Kommt der Oberkörper zu weit nach hinten, kann sich diese Balance verändern. Die Beweglichkeit im Rumpf nimmt ab, und häufig wird auch das Becken zunehmend fest.

Dabei ist gerade das Becken eine entscheidende Verbindung zwischen dem Oberkörper und dem Pferd.

Es muss den Bewegungen des Pferdes folgen können, ohne dass der Reiter seine Stabilität verliert. Gleichzeitig soll es dem Reiter ermöglichen, über seinen Sitz differenziert einzuwirken.

Ein festes Becken kann diese Aufgabe nicht mehr in derselben Qualität erfüllen.

Und das Pferd?

Die Folgen bleiben nicht beim Reiter.

Wenn die Schulter fest wird, die Hand ihre Beweglichkeit verliert, der Oberkörper zu weit nach hinten kommt und das Becken zunehmend blockiert, verändert sich die Einwirkung auf das Pferd.

Der Reiter kann die Bewegung nicht mehr so elastisch aufnehmen. Die Hilfen werden weniger differenziert, und die Kommunikation über Sitz und Zügel wird schwieriger.

Das Pferd kann darauf mit einer festeren Oberlinie, einer eingeschränkten Beweglichkeit oder einem zunehmenden Widerstand gegen die Hand reagieren.

Natürlich hat nicht jede Verspannung des Pferdes ihre Ursache im Sitz des Reiters. Auch körperliche Beschwerden, Ausbildungsstand, Trainingsbedingungen und andere Faktoren müssen berücksichtigt werden.

Aber wir sollten uns immer fragen, welchen Anteil unser eigener Sitz daran hat, wenn ein Pferd nicht mehr losgelassen geht oder die Hilfen nicht so annimmt, wie wir es uns wünschen.

Bevor wir versuchen, das Pferd durch zusätzliche Einwirkung zu korrigieren, sollten wir deshalb unseren eigenen Sitz überprüfen.

Denn es wäre ein Trugschluss, ein Problem mit mehr Zügelzug lösen zu wollen, wenn die Ursache möglicherweise darin liegt, dass wir durch unsere eigene Haltung die Beweglichkeit und die Kommunikation eingeschränkt haben.

Der Sitz ist die Voraussetzung für korrekte Einwirkung

Ein guter Sitz ist weit mehr als eine ästhetische Angelegenheit. Es geht nicht darum, auf dem Pferd möglichst schön auszusehen oder einer bestimmten äußeren Vorstellung zu entsprechen.

Es geht darum, den eigenen Körper so einsetzen zu können, dass wir dem Pferd möglichst wenig im Weg sind und gleichzeitig präzise, verständliche Hilfen geben können.

Dafür müssen die einzelnen Körperbereiche zusammenarbeiten.

Der Unterschenkel darf nicht unkontrolliert nach vorne rutschen. Die Hand muss in einer Position getragen werden, die eine bewegliche Schulter und einen elastischen Arm ermöglicht. Der Oberkörper muss ausbalanciert bleiben, und das Becken muss beweglich genug sein, um die Bewegung des Pferdes aufzunehmen.

Erst wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, können wir unsere Hilfen wirklich differenziert einsetzen.

Das bedeutet auch: Wer seine Einwirkung verbessern möchte, muss bereit sein, sich mit dem eigenen Sitz auseinanderzusetzen.

Nicht erst dann, wenn ein Problem mit dem Pferd auftritt, sondern als selbstverständlichen Bestandteil der Ausbildung.

Genau daran arbeiten wir auch in meinem Onlineunterricht

Der korrekte Sitz und die daraus entstehende Einwirkung auf das Pferd sind zentrale Themen meines Onlineunterrichts.

Dabei geht es nicht darum, einzelne Fehler isoliert zu betrachten und möglichst schnell zu korrigieren. Entscheidend ist vielmehr, die Zusammenhänge zu verstehen: Welche Auswirkungen hat eine bestimmte Haltung? Warum wird eine Hilfe möglicherweise nicht so wirksam, wie sie sein sollte? Und was muss sich am eigenen Sitz verändern, damit das Pferd die Hilfen besser verstehen und umsetzen kann?

Wir beschäftigen uns mit der Position des Reiters, seiner Beweglichkeit und der Frage, wie sich daraus eine korrekte, differenzierte Einwirkung entwickeln lässt.

Denn das Ziel sollte nicht sein, dass ein Pferd trotz eines fehlerhaften Sitzes funktioniert.

Das Ziel ist, dass wir lernen, so zu sitzen und einzuwirken, dass wir dem Pferd eine korrekte Ausbildung ermöglichen.

Wenn Du Dich intensiver mit Deinem eigenen Sitz, Deiner Einwirkung und den Zusammenhängen zwischen Reiter und Pferd beschäftigen möchtest, findest Du hier weitere Informationen zu meinem Onlineunterricht:

[HIER findest Du Infos zu meinem Onlineunterricht

Ich freue mich, wenn wir gemeinsam daran arbeiten, Reiten nicht nur schöner aussehen zu lassen, sondern es für das Pferd verständlicher und fairer zu gestalten.

Diesen Beitrag hilfreich gefunden?

Ich schreibe regelmässig über Pferdeausbildung, Reiten und die Zusammenhänge dahinter – aus 35 Jahren Praxis. Wenn Dich das interessiert, trage Dich gern ein.