Vielleicht ist nicht dein Pferd das Problem.
Vielleicht bist du es.

Genauer gesagt: Dein Sitz. Deine Einwirkung. Dein Timing.
Und das Unangenehme daran? Du bemerkst es möglicherweise überhaupt nicht. Nicht, weil du schlecht reitest, sondern weil du beim Reiten einem ziemlich großen Problem ausgeliefert bist: Du kannst dich selbst nicht von außen beobachten.
Du sitzt auf dem Pferd. Du fühlst, was du machst, aber du siehst nicht zuverlässig, was du tatsächlich machst. Und genau deshalb kann sich etwas für dich völlig korrekt anfühlen, während dein Pferd ganz andere Informationen bekommt.
Du denkst: „Ich sitze gerade.“ Deine eine Schulter ist vielleicht trotzdem höher. Du denkst: „Meine Hand ist ruhig.“ Dein Pferd erlebt möglicherweise eine blockierende Hand. Du denkst: „Ich treibe.“ Dein Pferd erlebt vielleicht gleichzeitig: treiben, festhalten, ausweichen. Und du denkst: „Ich gebe nach.“ Vielleicht gibst du tatsächlich nur mit der Hand nach, während dein restlicher Körper weiterhin festhält.
Und dann passiert etwas, das wir Reiter erstaunlich gerne tun: Wir suchen den Fehler beim Pferd.
Es geht nicht durchs Genick. Es wird fest. Es tritt nicht richtig unter. Es lässt sich nicht stellen. Es läuft gegen die Hand. Es wird triebig. Es wird schief. Es reagiert nicht.
Und schon sind wir bei der nächsten Erklärung: Das Pferd ist heute schwierig. Es ist nicht locker. Es hat keine Lust. Es braucht mehr Kraft. Es muss stärker gymnastiziert werden.
Vielleicht.
Aber vielleicht auch nicht.
Vielleicht reagiert dein Pferd einfach nur ziemlich konsequent auf das, was du ihm vorgibst.
Wissen schützt dich nicht vor falscher Einwirkung
Das ist ein Punkt, über den viel zu wenig gesprochen wird. Du kannst sämtliche Fachbegriffe kennen. Du kannst wissen, was eine halbe Parade ist, wann das innere Bein anliegt und wann du nachgeben musst. Du kannst wissen, wie ein Schulterherein geritten wird, und sogar erklären, wie eine Traversale funktioniert.
Und trotzdem kannst du sie falsch reiten.
Sehr gut theoretisch erklären und schlecht praktisch ausführen können gleichzeitig wahr sein.
Das ist beim Reiten keine Ausnahme. Es ist völlig normal. Denn Reiten funktioniert nicht nach dem Prinzip: Wissen → ausführen → fertig. Reiten bedeutet, wahrzunehmen, zu reagieren, zu koordinieren, zu dosieren und im richtigen Moment wieder etwas zu verändern. Und das alles innerhalb von Sekundenbruchteilen.
Genau darin liegt eine der größten Herausforderungen: Du musst nicht nur wissen, was du tun sollst. Du musst es im richtigen Moment, mit der richtigen Intensität und im Zusammenspiel mit allen anderen Hilfen tun. Und gleichzeitig musst du wahrnehmen, wie dein Pferd darauf reagiert.
Und dann kommt das größte Problem: Du hältst dein eigenes Gefühl für die Wahrheit
„Ich hatte das Gefühl, dass ich gerade saß.“
„Ich hatte das Gefühl, dass ich nachgegeben habe.“
„Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht gezogen habe.“
„Ich hatte das Gefühl, dass mein Pferd nicht reagiert hat.“
Ja. Du hattest dieses Gefühl.
Aber ist es auch das, was tatsächlich passiert ist?
Das ist ein gewaltiger Unterschied.
Denn unser Gefühl beim Reiten ist wichtig, aber es ist nicht automatisch objektiv. Wir können etwas fühlen und es trotzdem falsch interpretieren. Wir können überzeugt sein, eine Hilfe gegeben zu haben, während unser Körper gleichzeitig eine völlig andere Information an das Pferd weitergibt.
Und genau deshalb lohnt sich manchmal eine unangenehme Frage:
Wenn dein Pferd seit Monaten immer wieder an derselben Stelle fest wird – warum gehst du eigentlich automatisch davon aus, dass das Pferd das Problem hat?
Wenn dein Pferd immer wieder gegen die Hand läuft – warum überprüfst du nicht zuerst, ob deine Hand tatsächlich so wirkt, wie du glaubst?
Wenn dein Pferd nicht loslässt – warum fragst du dich nicht, ob dein eigener Körper überhaupt loslässt?
Und wenn dein Pferd bei einer Lektion immer wieder ausfällt, warum ist die erste Frage so häufig: „Was muss mein Pferd noch lernen?“ Warum nicht: „Was mache ich in diesem Moment eigentlich mit meinem Pferd?“
Wir lieben neue Lektionen
Neue Lektionen geben uns das Gefühl, Fortschritte zu machen. Schulterherein, Traversalen, Galoppwechsel, Pirouetten, Piaffe, Passage – immer höher, immer schwieriger, immer spektakulärer.
Aber vielleicht ist genau das manchmal die falsche Richtung.
Denn was bringt dir eine perfekte Traversale, wenn dein Pferd dabei den Rücken festhält? Was bringt dir ein sauberer Galoppwechsel, wenn du dein Pferd vorher mit deinem Sitz blockierst? Und was bringt dir eine beeindruckende Lektion, wenn dein Pferd sie nur deshalb ausführt, weil es gelernt hat, irgendwie durchzukommen?
Eine Lektion kann funktionieren und trotzdem falsch geritten sein.
Das ist vielleicht eine der unbequemsten Wahrheiten im Reitsport.
Denn von außen sehen wir zunächst das Ergebnis. Wir sehen ein Pferd, das eine Lektion ausführt. Wir sehen Schleifen, schöne Fotos und perfekte Videos. Wir sehen, was das Pferd macht.
Aber wie oft schauen wir wirklich auf den Reiter?
Nicht nur darauf, was das Pferd macht, sondern darauf, warum es das macht.
Was macht die Schulter des Reiters? Was macht das Becken? Was macht die Hüfte? Was macht die Hand? Was macht das Bein? Was macht der Oberkörper? Und vor allem: Was passiert unmittelbar danach beim Pferd?
Denn genau dort liegt die Wahrheit. Nicht allein in der Absicht des Reiters, sondern in der Reaktion des Pferdes.
Vielleicht ist dein Pferd gar nicht „gegen die Hand“
Vielleicht reagiert es auf deine Hand.
Vielleicht ist es gar nicht „faul“. Vielleicht kommt deine Hilfe nicht klar genug an oder wirkt nicht richtig mit den anderen Hilfen zusammen.
Vielleicht ist es gar nicht „stark“. Vielleicht machst du es durch deine eigene Einwirkung stark.
Vielleicht ist es gar nicht „schief“. Vielleicht sitzt du schief.
Vielleicht ist es gar nicht „verspannt“. Vielleicht kann es sich unter deinem Sitz schlicht nicht so bewegen, wie du es von ihm verlangst.
Und vielleicht hast du all diese Dinge bisher deinem Pferd zugeschrieben.
Das ist keine Anklage. Es ist ein Problem, das fast jeder Reiter kennt. Denn solange wir selbst nicht zuverlässig erkennen können, was unser Körper tatsächlich macht, bleibt uns oft nur unser Gefühl. Und genau dieses Gefühl kann uns täuschen.
Das Problem ist: Du kannst das nicht zuverlässig selbst überprüfen
Während du reitest, kannst du nicht gleichzeitig neben deinem Pferd stehen und deinen eigenen Sitz beobachten. Du kannst ihn fühlen, aber dein Gefühl ist kein objektives Messinstrument. Ein Spiegel zeigt dir einen Ausschnitt. Ein Foto zeigt dir einen Moment. Und selbst ein Video zeigt dir zunächst nur, was passiert – nicht automatisch, warum es passiert.
Dafür brauchst du jemanden, der wirklich hinschaut. Nicht nur auf die Lektion und nicht nur auf das Pferd, sondern auf das Zusammenspiel zwischen dir und deinem Pferd.
Denn genau dort entscheidet sich, ob deine Hilfen tatsächlich so ankommen, wie du sie geben möchtest.
Vielleicht brauchst du deshalb gar nicht die nächste Lektion. Vielleicht brauchst du auch nicht noch mehr Wissen und nicht noch einen weiteren Kurs über die nächste Übung.
Vielleicht brauchst du etwas viel Unbequemereres:
Eine ehrliche Rückmeldung darüber, was du tatsächlich tust.
Nicht das, was du glaubst zu tun. Nicht das, was du tun möchtest. Nicht das, was du irgendwo gelesen hast. Und auch nicht das, was du seit Jahren machst.
Sondern die Antwort auf eine viel wichtigere Frage:
Was kommt in diesem Moment tatsächlich bei deinem Pferd an?
Denn dein Pferd kann darüber nicht mit dir diskutieren. Es kann dir nicht erklären: „Deine rechte Schulter blockiert mich gerade.“ Es kann dir nicht sagen: „Du bist mit deinem Becken einen Moment zu spät.“ Es kann auch nicht formulieren: „Du treibst und hältst gleichzeitig fest“ oder „Ich kann mich gerade nicht über deinen Sitz bewegen.“
Es kann dir nur antworten.
Mit seinem Körper. Mit seiner Spannung. Mit seinem Widerstand. Mit Ausweichen, einem falschen Knick, einem festen Rücken, fehlender Losgelassenheit – oder eben mit genau der Reaktion,
Und genau hier beginnt mein Unterricht.
Ich möchte dir nicht einfach die nächste Lektion beibringen.
Davon gibt es genug.
Ich möchte auch nicht neben dir stehen und dir zehnmal sagen:
„Mehr treiben.“
„Hand ruhiger.“
„Gerade sitzen.“
Denn solche Anweisungen helfen dir nur dann wirklich, wenn du verstehst, warum du sie brauchst und wenn du spürst, was sich verändert, wenn du sie umsetzt.
Mein Unterricht beginnt deshalb nicht bei der Frage:
„Welche Lektion möchtest du heute reiten?“
Sondern bei einer viel interessanteren Frage:
„Was passiert eigentlich zwischen dir und deinem Pferd?“
Ich schaue auf deinen Sitz und auf deine Einwirkung, auf dein Timing, auf das Zusammenwirken deiner Hilfen und vor allem auf die Reaktion deines Pferdes.
Denn mich interessiert nicht nur, ob dein Pferd eine Aufgabe ausführt.
Mich interessiert:
Wie führt es sie aus?
Ist es locker?
Ist der Rücken beteiligt?
Kann es sich durch deinen Sitz bewegen?
Kann es deine Hilfen verstehen?
Kannst du im richtigen Moment einwirken?
Und – mindestens genauso wichtig:
Kannst du im richtigen Moment wieder aufhören einzuwirken?
Denn gutes Reiten besteht nicht darin, ständig etwas zu tun.
Es besteht darin, das Richtige zur richtigen Zeit zu tun – und danach wieder loszulassen.
Ich werde dir dabei möglicherweise Dinge sagen, die du nicht hören möchtest.
Vielleicht sitzt du tatsächlich schief, blockierst möglicherweise mit deiner Hand.
Vielleicht treibst du und hältst gleichzeitig fest oder vielleicht ist dein Timing nicht so gut, wie du denkst.
Vielleicht machst du eine Lektion zu früh oder vielleicht versuchst du, eine Bewegung zu erzwingen, die dein Pferd noch gar nicht leisten kann.
Vielleicht ist dein Pferd überhaupt nicht das Problem.
Und vielleicht wirst du genau dadurch plötzlich verstehen, warum ihr bisher nicht weitergekommen seid.
Das ist für mich der Sinn von gutem Unterricht.
Nicht, dir ein gutes Gefühl zu geben.
Sondern dir zu zeigen, was tatsächlich passiert.
Denn manchmal ist eine unbequeme Erkenntnis wertvoller als zehn weitere Lektionen.
Deshalb meine Frage an dich:
Willst du wirklich die nächste Lektion lernen?
Oder willst du endlich verstehen, warum dein Pferd auf dich so reagiert, wie es reagiert?
Wenn du bereit bist, deinen eigenen Sitz und deine eigene Einwirkung ehrlich anzuschauen, dann können wir genau dort anfangen.
Nicht beim Pferd.
Bei dir.
Nicht mit noch mehr Theorie.
Sondern mit dem, was tatsächlich passiert, wenn du im Sattel sitzt.
Nicht mit der Frage:
„Was kann mein Pferd?“
Sondern mit der Frage:
„Was bewirke ich?“
Unterricht buchen
Wenn du nicht länger vermuten, ausprobieren und deinem Pferd die Verantwortung für Probleme zuschieben möchtest, sondern wirklich wissen willst, was du mit deinem Sitz und deinen Hilfen bewirkst, dann ist mein Unterricht der nächste Schritt.
Buche deinen Unterricht und lass uns gemeinsam hinschauen.
Denn vielleicht braucht dein Pferd tatsächlich etwas anderes.
Aber vielleicht braucht es vor allem:
einen Reiter, der endlich erkennt, was er selbst tut.
Du kannst hier meinen Unterricht buchen
Wenn Du in der Schweiz lebst, komme ich gerne auch zu Dir. Hier gehts zum Unterricht vor Ort
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Ich schreibe regelmässig über Pferdeausbildung, Reiten und die Zusammenhänge dahinter – aus 35 Jahren Praxis. Wenn Dich das interessiert, trage Dich gern ein.